fünf versuche waren es wert

Freitag, 16. September 2016

"das sieht doch aus wie ein stier!" oder "bleiben da nicht deine ganzen popel daran hängen?!", nur so einen müll durfte ich mir vor 4 jahren und manchmal sogar noch jetzt anhören. okay, als ich anfing, gefallen an einem nasenpiercing zu finden, probierte ich mich zuerst an faschingclips. zehnerpackungen, bei denen alles sofort abblättert, aber ganz ehrlich, ich war fünfzehn und durchgeknallt. zugegeben weiß ich selbst nicht mehr, woher der trend kam, falls er da überhaupt schon existierte, es war 2012 und der großteil der menschen, die ich kannte und mit welchen ich zutun hatte, konnten piercings nicht viel abgewinnen. ich aber eben schon. und das passte natürlich vor allem meinen eltern nicht. lange bevor sie auch nur die verrückte haarfarbenzeit erahnen könnten. aber ja, heute könnte ich sagen, dass mit dem septum alles angefangen hat. zu beginn hatte ich noch ein paar berührungsängste- logisch, wenn da auf einmal ein (vorläufiger) fremdkörper mitten in deinem gesicht hängt, welcher schon durchaus dominant wirkt. natürlich fiel das auch klassenkameraden und allen anderen gestalten, welche in meiner schule tagtäglich gegafft und getuschelt haben, auf. ich formuliere das ganz bewusst so, nicht weil ich damit sagen will, dass ich total außergewöhnlich aussah und einzigartigkeit ausstrahlte (ich war fünfzehn, zur hölle!), sondern weil sie das getan haben, völlig unabhängig von deinem aussehen. himmel herr gott, ich kann mir ja vorstellen, dass das eigene leben während der schulzeit im alter von 15-18 auf dem dorf für manche recht langweilig und nicht interessant genug ist, aber füllt den inhalt dessen doch bitte nicht mit meiner oder anderer leute person, meinen und deren äußerlichkeiten und was weiß ich noch. aber okay, ich will mich nicht unnötig darüber aufregen. sagen wir es so: es war eine anstrengende zeit, zu welcher ich eigentlich gerade in meiner ausgeflipptesten phase bisher war, dafür jedoch krass verurteilt wurde. vielleicht schreibe ich darüber nochmal einen eigenständigen post. zurück zum septum. nach wenigen wochen habe ich mich dann doch mal dazu entschieden, wenigstens richtige horsehoes zu kaufen und die dann verkehrt herum in die nase zu stecken. weckte die begeisterung meiner eltern (und aller anderen) leider immer noch nicht, aber kaum zu glauben, es war mir immer noch egal. irgendwann hat sich es dann total normal angefühlt, den ring zu tragen und nach einem jahr schließlich sah mein gesicht für mich nicht mehr vollständig aus, sobald ich ihn nicht trug. mittlerweile hatte ich auch damit begonnen, meine ohren zu dehnen...mein papa hatte nun allen glauben in mich verloren und mama war halt mama..."du machst doch sowieso schon immer was du willst, also wieso fragst du mich überhaupt?" und naja, was soll ich sagen, es sind meine eltern, sie müssen mich ja kennen! wenigstens besaß ich immerhin den anstand, zu fragen, ob das okay sei mit den ohren, zu diesem zeitpunkt zwar eh schon zu spät, aber für mein gewissen musste es sein. bevor ich anfing, zu dehnen, trug ich fakeplugs, gleiches prinzip also wie beim septum. doch das sollte nun auch endlich echt werden! ich habe meine mama so lange bequatscht, bis sie widerwillig zugestimmt hat. also ab zur besten freundin, deren mutter krankenschwester ist und durch die kanüle! genauso wie ich in diesem moment, hatte auch sie gerade ihr erstes mal. zwar wurden mir von ihr schon die ohren gestochen und anderen vermachte sie unter anderem auch schon bauchnabelpiercings, aber septum war neu. und verdammt schwierig zu stechen. nachdem der erste versuch tierisch in die hose ging- viel zu tief und viel zu weit vorne!- probierten wir es gleich nochmal und es saß. ihr könnt euch das vielleicht nicht vorstellen, aber ich war der glücklichste mensch der welt. wenn ich sie nicht schon hatte, kaufte ich mir nach und nach verschiedene ringe: in silber, gold, roségold, horsehoes, geschlossen, mit einer kugel. für mich war das eben von anfang an normaler schmuck, wie es für jemanden anderen eine halskette oder ein armband ist. hat natürlich nicht lange gedauert und ich hab meine schlummernde vorliebe für schwarz (wie bei allen anderen sachen auch) entdeckt und trage seitdem vorwiegend schwarzen schmuck. da meine tragi (traguspiercing im ohrknorpel) auch schwarz sind und ich überwiegend tunnel aus holz reinmache, passt das einfach. so gegen anfang letzten jahres, wenn nicht schon eher, fing ich an, mich wieder intensiver mit dem thema zu beschäftigen. in den zu diesem zeitpunkt vergangenen anderthalb jahren hab ich dieses piercing einfach so unfassbar lieben gelernt, dass ich es nicht mehr missen möchte. mach ich es raus, fühle ich mich nackt. nicht ich. auch, wenn es gerade saß und super verheilt ist, es wurde amateurhaft direkt durch meine nasenscheidewand gestochen. für alle, die sich damit nicht so gut auskennen: falsche stelle! das septum heißt septum, weil es durch das septum, lateinischer name für das häutchen zwischen den knorpeln, gestochen wird. das ist eine der schwierigsten stellen im gesicht, wenn nicht am ganzen körper. da mein bisheriges jedoch relativ mittig tief saß, wollte ich ein zweites. und zwar nicht als ersatz, sondern zusätzlich. erstens kam das entfernen des alten deswegen nicht frage, weil ich damit eine gute story mit guten menschen verbinde und weil ich es zweitens total schön finde, zwei zu tragen. vor allem, wenn man es so feiert wie ich und es mittlerweile einfach zur eigenen identität gehört, anstatt nur schmuck zu sein. also beschloss ich, mir hier in leipzig einen piercer zu suchen, ging auch ganz schnell und das zweite war durch. sah aber irgendwie komisch aus. auch zu weit hinten und schief. er schob es einfachheitshalber auf meine schiefsitzenden knorpel (?), bot mir aber an, es zwei wochen später nochmal zu versuchen. leider auch vergeblich. später erfuhr ich, dass der typ es wohl schon bei einigen, meistens septum, versaute, sodass sogar wildes fleisch entstand. klar hat mich das geärgert, dass ich für diesen müll fünfzig euro ausgegeben hab, obwohl ich vorher die echt guten bewertungen abgecheckt habe, aber nunja. wahrscheinlich bezogen sich die meisten dabei auf die tätowierer. zumindest bei meinem kann ich das komplett bestätigen! den hab ich nämlich in dem studio kennengelernt und somit hatte dieser reinfall dann doch was gutes. locker lassen wollte ich aber noch nicht. ich erklärte einer ebenfalls sehr gut bewerteten piercerin in leipzig die umstände und machte einen termin aus. schon beim abtasten meinte sie, dass in meiner nase alles völlig frei liegt und kein knorpel verschachtelt sitzt. und ja, was soll ich sagen? perfekt gestochen und weil ich so abgezogen wurde, sogar zu einem super preis! in das alte haben wir dann einen sehr kleinen ring gemacht, damit sie ästhetisch gleich wirken. im neueren trage ich ebenfalls einen geschlossenen, schwarzen ring. was bei meinem papa ausschließlich kopfschütteln und pure verzweiflung auslöste, zaubert mir tagtäglich ein lächeln auf die lippen, denn das bin nun mal ich und so fühle ich mich wohl.

Kommentare:

  1. Anonym20:38

    Oh mein Gott, ich hab mir einen Targus stechen lassen und fand das Gefühl wenn die Kanüle durch das Fleisch geht so schrecklich!! Ich hab fast kotzen müssen, und so geil ich mein Piercing auch heute noch finde, ich schaff es nicht mich zu einem 2. zu überwinden... :S Meinen Respekt an dich!
    Und ich find´s ne geniale Idee sich mit Fakes an den Anblick zu gewöhnen um sich so echt sicher sein zu können, ob´s das Piercing echt werden soll! Bin ich nie drauf gekommen... :D
    Ich hätte noch mal ne Frage zu deinem Septum (deinen Septi...? Keine Ahnung, sorry!). Ich hab mal gehört, dass ein Septum im Winter echt unangenehm sein kann, weil die Kälte geleitet wird? Also mein gepierctes Ohr friert auch doller als das andere, deshalb dachte ich, das könnte stimmen...
    Lieben Gruß :)

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    1. hej du,
      erst mal danke für deinen lieben und ausführlichen kommentar, sowas freut mich immer sehr!
      ja, tragus ist nicht ganz ohne, aber ich bin in solchen sachen generell sehr schmerz- und ekelresistent. wir mussten das eine ohr auch zweimal stechen, weil es nach einer zeit rausgewachsen ist. beim zweiten mal sogar etwas weiter innen, das war schlimmer als normal, haha
      und zu deiner Frage: also ich kann das nicht wirklich bestätigen, das einzige, was leicht unangenehm aber okay ist, ist, dass mir zumindest im winter sehr schnell die nase draußen läuft und es dann feucht am ring wird- also man braucht ständig taschentücher bei sich. aber naja, meine nase läuft in kalten gefilden eh sehr schnell, also macht das für mich wenig unterschied

      ganz lieben gruß zurück, xx

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